Pressemitteilungen
2. November 2009 - Bielefeld
Scheideninfektionen frühzeitig erkennen und behandeln
Symposium informierte über neueste Erkenntnisse
Die häufigsten Beschwerden, über die Frauen in der frauenärztlichen Praxis berichten, sind Unterleibsschmerzen, Blutung und Ausfluss. Sie gelten auch als die wichtigsten Zeichen einer Scheideninfektion. Die Bandbreite der möglichen Erreger ist groß und reicht von Bakterien über Pilze bis hin zu Viren. Weil manche Infektionen jedoch von der Frau unbemerkt verlaufen, ist es wichtig, dass gerade junge Frauen sich regelmäßig frauenärztlich untersuchen lassen. Ein Symposium im Dr. Wolff Institut, Bielefeld, beschäftigte sich mit neuesten Erkenntnissen zu diesen Themen.
Nach dem großen Erfolg des ersten Symposiums über Infektionen in Gynäkologie und Geburtsmedizin im vergangenen Jahr kamen diesmal 150 Frauenärztinnen und - ärzte zu der zweitägigen Fortbildung nach Bielefeld. Die Nachfrage war eigentlich noch größer, mehr Teilnehmer konnten jedoch aus organisatorischen Gründen nicht berücksichtigt werden. Tagungsleiter war Prof. Dr. med. Werner Mendling, Klinikdirektor für Gynäkologie und Geburtsmedizin an zwei Vivantes Kliniken in Berlin. Im Verlauf des Symposiums wurde immer wieder deutlich, dass eine frühzeitige gezielte Untersuchung und Erkennung von Infektionen wichtig ist: Mit Screening-Methoden, Impfung bzw. entsprechend frühzeitiger Behandlung kann häufig Krankheiten bzw. auch Komplikationen vorgebeugt werden.
Über die immer noch unterschätzte Chlamydia trachomatis-Infektion referierte Dr. Thomas Meyer vom Institut für Medizinische Mirkobiologie, Virologie und Hygiene am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf. Die Zahl der Neuinfektionen pro Jahr wird vom Robert-Koch-Institut auf etwa 300.000 geschätzt. Die Gesamtzahl der Infizierten dürfte bei mehr als 1,1 Millionen liegen. Genauere Daten liegen nicht vor, weil die Infektion nicht meldepflichtig ist. In den meisten Fällen verläuft die Chlamydien-Infektion ohne auffällige Symptomatik, sodass die Betroffenen nichts davon merken. Die Folgen können jedoch gravierend sein, wie Dr. Meyer deutlich machte: Bleibt die Infektion unbehandelt, kann es zu Unfruchtbarkeit kommen. Chlamydia trachomatis-Infektionen können gut mit Antibiotika behandelt werden. Zur besseren Erfassung der Infektion wurde in Deutschland bereits 1995 mit Screening-Programmen bei Schwangeren begonnen. Heute beziehen sich die Programme auf alle Frauen unter 25 und auf Schwangere. Die Effektivität dieses Screenings wird jedoch von Fachleuten in Frage gestellt, u.a. weil die Bevölkerung parallel zum Screening nicht ausreichend über Chlamydien-Infektionen aufgeklärt wird. Auch darüber wurde auf dem Symposium diskutiert.
Auf eine frühe Diagnostik und Therapie kommt es auch bei der Urethritis an. Sowohl Frauen als auch Männer können von einer Harnröhrenentzündung betroffen sein, die durch die verschiedensten Erreger ausgelöst werden kann und heute ebenfalls als sexuell übertragbare Krankheit aufgefasst wird, erläuterte Dr. med. Ricarda M. Bauer, Urologin an der Ludwig-Maximilians-Universität München. Erfolgt keine angemessene frühzeitige Therapie, gehen bis zu 15 Prozent der akuten Fälle in eine chronische Urethritis über, die mit gravierenden Begleiterscheinungen einhergehen kann und häufig schwer zu behandeln ist.
Die am häufigsten auftretenden viralen Infektionen im Bereich des äußeren und inneren Genitalbereichs werden durch Humane Papilloma-Viren (HPV) hervorgerufen. Die Übertragung erfolgt meist durch Geschlechtsverkehr. Wie Prof. Dr. med. Monika Hampl, stellvertretende Klinikdirektorin der Universitäts-Frauenklinik Düsseldorf, erläuterte, nimmt die Zahl der Erkrankungen zu. Immer mehr jüngere Menschen sind betroffen. Eine HPV-Infektion kann sich in Form kleiner Warzen zeigen (sog. low-risk Infektionen, gutartig), die mit der lokalen Anwendung einer Lösung/Creme oder chirurgisch behandelt werden können. Es gibt aber durch HPV auch sog. high-risk Infektionen, die dann als Krebs in Erscheinung treten können. Bei rechtzeitiger Behandlung bestehen gute Heilungschancen. Zur Vorbeugung dieser Erkrankungen wird heute die frühzeitige HPV-Impfung empfohlen. Ein anderes Virus, das die bläschenförmige Herpes genitalis-Infektion hervorruft, kann heute mit antiviralen Medikamenten wirksam bekämpft werden, wie Prof. Dr. med. Arjen Nikkels von der Universität Lüttich in Belgien betonte.
Was unter einem gesunden Scheidenmilieu zu verstehen ist, erfuhren die Tagungsteilnehmer von Dr. Andreas Schwiertz, Leiter Forschung und Entwicklung am Institut für Mikroökologie in Herborn. Die Scheidenflüssigkeit einer gesunden Frau weist einen hohen Anteil an Laktobazillen (Milchsäure-Bakterien) auf, die Zucker zu Milchsäure vergären und damit den pH-Wert in der Scheide auf unter 4,5 einstellen. Das saure Milieu sorgt für einen gewissen Infektionsschutz; zudem stellen die Laktobazillen in einer gesunden Vaginalflora auch noch Wasserstoffperoxid (H2O2) her und stärken dadurch zusätzlich die Abwehr gegenüber anderen Keimen. Neuere wissenschaftliche Untersuchungen deuten darauf hin, dass den H2O2-bildenden Laktobazillen eine bedeutende Rolle in der Verringerung von Frühgeburten und Schwangerschaftskomplikationen zukommt. Bei Neigung zu wiederholten Scheideninfektionen, die immer zuerst ärztlich behandelt werden müssen, kann es deshalb sinnvoll sein, die Regeneration des Scheidenmilieus durch die Anwendung von H2O2-bildenden Milchsäure-Bakterien zu unterstützen.