Dr. August Wolff

Dr. August Wolff wurde am 20. Februar 1872 im hessischen Gemünden als Sohn des Apothekers Wilhelm Wolff und Ehefrau Christiane geboren. Sein Abitur legte er 1891 in Gütersloh ab. Danach folgte eine Ausbildung zum Apothekergehilfen in Hagenow in Mecklenburg. Nach verschiedenen Apotheken-Stationen und Militärdiensten studierte er - erst Pharmazie in Greifswald, dann Chemie in Halle. Ende 1900 promovierte er mit einer Arbeit über "Derivate und Sorbinsäure" und war anschließend Assistent im Institut für Gärungsgewerbe in Berlin. Seine letzte berufliche Station vor dem Schritt in die Selbst-ständigkeit war die chemische Fabrik Dr. Brunnen-gräber in Rostock.

Die Gründung des eigenen Unternehmens erfolgte 1905 am späteren Sitz der Gewürzmühle Gehring & Neiweiser (Alba). Er firmierte zunächst unter "Sudbracker Nährmittelwerke Vinces". Die lateinische Bezeichnung "Vinces" - "Du wirst siegen" - wurde auch als Markenzeichen für verschiedene Produkte verwendet, dann mit dem Zusatz "Sub hoc signo vinces!" - "Unter diesem Zeichen wirst du siegen!"

Die Entwicklung des Unternehmens in den ersten Jahrzehnten zeigt, dass Dr. August Wolff ein Mann mit dem richtigen wirtschaftlichen Gespür war. So erkannte er zum Beispiel früh den Nutzen von Marken und Netzwerken. Er pflegte einen sehr engen Kontakt zu den Apothekern und warb bei ihnen für die von ihm kreierten "Vinces"-Abfüllungen. "Billigere Angebote erwecken Misstrauen und stempeln Präparate leicht zu Imitationen mit dem Odium der Geringwertigkeit", so seine Überzeugung, mit der er auch heute noch Gehör finden würde. "Ich bin überzeugt, dass das Publikum ein größeres Zutrauen zu gleichpreisigen, wirklich einwandfreien Präparaten hat, als zu den ominösen billigeren, 'Ersatzpräparaten'!"

"Dr. August Wolff war ein unermüdlicher Arbeiter, in seiner Schaffensfreude bis zuletzt ein Vorbild für seine Gefolgschaft", schrieb die West-fälische Zeit am 14. April 1942 in ihrem Nachruf. Und weiter heißt es darin: "Von einem ausgeprägten sozialen Verantwortungsgefühl getragen, hat er vorbildliche Einrichtung-en für seine Mitarbeiter geschaffen und über den engeren Kreis seines Unternehmens hinaus tätiges Interesse für soziale Bestrebungen gezeigt. In Fach-kreisen genoß er den Ruf eines überragenden Sachkenners, der sich in vielerlei Ehren-ämtern seiner Fachgruppe und seiner Standesorganisation betätigte."

Dies alles brachte Prof. Dr. Schirmer zum Ausdruck, als er am 17. April 1942 im Meier-haus zu Sudbrack die Gedächtnisrede für den Verstorbenen hielt. "Dr. August Wolff gehörte nicht zu denen, die Genüge daran fanden, Geld auf Geld und Gut auf Gut zu häufen", führte er aus. "Wenn ihm irdische Güter zufielen in einem Maße, wie er selber wohl in früheren Jahren nicht geglaubt hat, so war es lediglich der Erfolg seines zähen Fleißes, seiner zielbewußten Arbeit und seines ernsten wissenschaftlichen Denkens. Sie führten sein Lebenswerk von Erfolg zu Erfolg".

Prof. Schirmer beschrieb Dr. August Wolff als überzeugten Naturwissenschaftler in der Tradition seines berühmten Lehrmeisters Ernst Haeckel (der "deutsche Darwin"), dem die religiöse Grundüberzeugung - trotz Kirchenaustritt - aber nie abhanden gekommen ist. "Praktisches Christentum, soziales Empfinden - dafür war er zu haben und hierfür hatte er ein offenes Herz und eine offene Hand.

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